Wettbewerb 2019-2020 | Kategorie: Verein/Verband

Zeitlos - ein multimediales Musiktheaterstück zum Thema Antisemitismus und Erinnerungskultur

ZEITLOS verfolgt das Ziel, Jugendl. mit und ohne Migrationsgeschichte auf kreativ-künstlerischem Weg einen emotionalen Zugang zum Thema Verfolgung, Gewalt und Vertreibung im Dritten Reich zu öffnen und sie erfahren zu lassen, was dies mit ihnen u. ihrem Leben zu tun hat. Hierzu zählen dessen Vorgeschichte, die Betrachtung der Motive der Täter und die Folgen für die jüdischen Opfer. Außerdem Sensibilisierungstraining zu Diskriminierungsformen und Begegnungen mit der Jüdischen Gemeinde. Sie erarbeiten ein eigenes Musiktheater, das vom Schicksal deutscher Juden in Hagen erzählt.
Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW.

Projektziele

s.o. Es geht konkret um eine biographische Erarbeitung und zeitgemäße, künstlerische Umsetzung des Lebens Hagener Juden, deren Schicksal stellvertretend für tausende deportierter Juden steht. Es geht auch um die Beantwortung der Frage, welchen Beitrag junge Menschen in ihrer Lebenswelt leisten können, um Ausgrenzung und damit verbundene Gewalterfahrungen entgegen zu wirken und sich für Demokratie, Menschenrechte und ein friedfertiges Miteinander einzusetzen. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde in Hagen realisiert.

Aufgabe der Jugendlichen

Erarbeitung eines multimediales Musiktheaterstücks zum Thema Antisemitismus und Erinnerungskultur gemeinsam mit den Teamern. Das bedeutet, sich zunächst in Workshops mit historischen Informationen zur Geschichte des Antisemitismus und zu den Ereignissen der Reichspogromnacht auseinander zu setzen, Motive der Täter, damals und heute und Folgen für die Opfer wahrzunehmen, sich mit Strukturen kollektiver Gewalt, auch in Bezug zu heute auseinanderzusetzen und mit der Frage, was das alles mit ihrem Leben zu tun hat. Im nächsten Schritt schreiben die Jugendlichen eigene Songs zum Thema, entwickeln Theaterszenen und Filmbeiträge, die sie zu einem Musiktheaterstück zusammenführen, das im Januar 2020 aufgeführt wird. Das Projekt verknüpft kognitive Workshop-Formen zur Vermittlung von Hintergründen und historisch-politischen Zusammenhängen mit der emotionalen Erfahrung, die aus dem „Hineinversetzen“ in verschiedene Rollen entsteht. Wie fühlt es sich an, Macht über andere zu haben und diese fast ohne Einschränkungen ausüben zu können – welche Motive liegen dem zugrunde (Täterrolle)? Wie fühlt es sich an, anderen ausgeliefert zu sein, die die Entscheidungsgewalt haben - wie groß ist die Bereitschaft, sich zu wehren und sich gegen das vorgegebene Schicksal aufzulehnen (Opferrolle)? Wie verhält man sich als Familienangehörige / Freund (in) / Bekannte von Betroffenen – ergreift man Partei und bringt sich selbst in Gefahr – oder gibt man der eigenen Angst vor gefährlichen Konsequenzen nach und überlässt man die Angehörigen, Freunde oder Bekannte einem grausamen Schicksal, das man vielleicht verhindern kann (Beobachterrolle?). Nach der Aufführung ist ein Gespräch zwischen den Schauspieler*innen und den Zuschauer*innen geplant, ggf. mit Beteiligung von Vertreter*innen der jüdischen Gemeinde. Diese Gespräche sollen dazu dienen, von den Erfahrungen der Jugendlichen zu profitieren. „Was hat das Projekt mit mir gemacht? Was haben wir als junge Menschen mit dem Holocaust zu tun? Und wie sehe ich meine Aufgabe im Hinblick auf die Zukunft?“ sind dabei die zentralen Fragen. Die Schauspieler*innen üben sich auch in der Diskussion und in der Vermittlung des Erlernten und Erfahrenen, sie entwickeln und verstärken ihre Fähigkeit, sich zu dem Thema zu äußern.

Projektverlauf

Die Idee und das Konzept stammen von Gandhi Chahine und Dirk Schubert. Die Umsetzung gestalten aber die Jugendlichen, sie erarbeiten die Themen, eigene Songs und Theaterszenen, in deren Rahmen sie die Inhalte verarbeiten, die sie berührt haben. Die Erinnerung an den Holocaust schwindet offenbar: Viele junge Deutsche haben laut einer Umfrage kaum Wissen über die systematische Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten. Von den 18- bis 34-Jährigen schätzen rund 40 Prozent, dass sie "wenig" oder "gar nichts" darüber wissen (Studie des US-Fernsehsenders CNN http://t1p.de/qljc). Alte Vorurteile sind offenbar weiterhin sehr präsent. Mehr als ein Viertel der befragten Europäer sei der Meinung, Juden hätten zu viel Einfluss auf die Geschäfts- und Finanzwelt. Umso notwendiger, junge Menschen aufzuklären. Es geht darum, sie über die grausamen Folgen von Ungerechtigkeit, Unmenschlichkeit und Hass in Kenntnis zu setzen. Denn vielen Jugendlichen erscheint der Nationalsozialismus oft als längst vergangen. Über das „Hineinversetzen“ in Schauspiel und Musik machen die Jugendlichen über die rein faktische Vermittlung des Themas hinaus eine wichtige Erfahrung: Das häufig Unvorstellbare („warum haben Menschen anderen so etwas angetan, warum haben sich Menschen nicht gewehrt, warum haben sie nicht geholfen?)“ wird nachvollziehbar. Sie erleben Veränderungen ihrer eigenen Wahrnehmung in den Rollen - und lernen Verhalten und seine Folgen verstehen. Jugendliche, die solche Erfahrungen gemacht haben, sind eher in der Lage, sich zum Thema zu äußern und Position zu beziehen.

Unser und euer Motto: Vielfalt ist unsere Stärke!

Bewusst werden Jugendliche verschiedener Kultur/Religion und Nationalität und unterschiedlichem Bildungshintergrund zusammen geführt, um von der Erfahrungswelt der jeweils anderen zu lernen. Und um ein deutliches Zeichen zu setzen, dass Erinnerungskultur und Verantwortung aufgrund der (deutschen) Geschichte nicht allein Aufgabe einiger weniger Auserwählter ist.

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Infos

Name der Einrichtung

East West East Germany e.V.

Ort

Dortmund

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Durchschnittl. Alter der Teilnehmer

16