Wettbewerb 2019-2020 | Kategorie: Deutsch

Schüler für Schüler

Jungen und Mädchen der gymnasialen Oberstufe helfen in ihren Freistunden Kindern und Jugendlichen, die nicht aus Deutschland stammen. Sie besuchen sie in der Grund- und Hauptschule und arbeiten dort ehrenamtlich als Personal-Trainer im Förderunterricht. Öffentliche Gelder benötigen wir nicht. Das Projekt lebt einzig vom persönlichen Einsatz.

Projektziele

Natürlich sollen die Sprachschüler möglichst gut und schnell Deutsch lernen. Doch steht der persönliche Kontakt im Vordergrund. Wichtiger als das Anhäufen von Fakten ist der zwischenmenschliche Kontakt, um einen Bezug zu einer fremden Kultur zu bekommen und dieser Prozess funktioniert in beide Richtungen. Das ist gelebte Integration. Nationalistisches Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit haben bei uns keine Chance.

Aufgabe der Jugendlichen

Unter dem Titel "Schüler für Schüler" unterrichten seit 2014 Schülerinnen und Schüler des Kerpener Gymnasiums Kinder und Jugendliche, die in Kerpen eine neue Heimat gefunden haben. Viele sind mit ihren Familien vor Krieg und Elend geflohen, andere sind mit ihren Eltern hergezogen, weil diese sie hier Arbeit gefunden haben. Allen ist gemein, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist und sie beim Lernen zusätzliche Hilfe benötigen. Bis heute haben sich über 500 Kerpener Gymnasiasten als Deutschlehrer ehrenamtlich engagiert. In diesem Halbjahr sind es wieder 55 Jungen und Mädchen.

Projektverlauf

Nach den Sommerferien 2014 trafen wir zufällig auf drei Jugendliche, die aus Bagdad fliehen mussten. Im Rhein-Erft-Kreis angekommen, wollten sie so schnell wie möglich Deutsch lernen. Offizielle Sprach- und Integrationskurse gab es damals noch nicht. Da sowohl die Geflüchteten als auch unsere Oberstufenschüler gut Englisch sprechen, entstand die Idee, die drei Iraker in der Bibliothek der Schule durch Gleichaltrige zu unterrichten. Ganz spontan fanden sich zwölf Abiturienten, die bereit waren, in ihren Freiblöcken zu unterrichten. Die Hilfsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler war überwältigend. Aus einem ersten Versuch wurde ein nachhaltiges Projekt. Bis heute haben rund 600 Gymnasiasten in ihrer Freizeit andere Jugendliche, die ihre Heimat verlassen mussten und jetzt in Kerpen leben, unterrichtet. In den ersten Jahren fand der Unterricht nur im Gymnasium statt. Die Geflüchteten werden in der Bibliothek im Verhältnis 1:1 unterrichtet. Dabei stellt jeder Schüler mindestens zwei Unterrichtsstunden pro Woche zur Verfügung. Das ergibt viele zusätzliche Deutschstunden für die Lernenden. Mittlerweile sind viele Geflüchtete und ihre Kinder im Schulsystem angekommen und wir haben darauf reagiert. Wir kooperieren deshalb mit der Adolph-Kolping-Hauptschule und der Albertus-Magnus Grundschule. Die Gymnasiasten gehen in ihren Freistunden dorthin und helfen im Deutsch-Förderunterricht. In diesem Halbjahr sind wieder 55 Schülerinnen und Schüler dabei. Das ist einmalig in der Region, wenn nicht gar deutschlandweit.

Unser und euer Motto: Vielfalt ist unsere Stärke!

Innerhalb unseres Projektes treffen junge Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund und Geschichte aufeinander. Für sie alle ist Kerpen ihre neue oder alte Heimat. Viele unserer Gymnasiasten haben selbst Zuwanderungsgeschichte und sind für die Sprachschüler ein Vorbild. Sie zeigen, dass man viel erreichen kann, wenn man die Sprache lernt und fleißig ist. Gleichzeitig erfahren die Gymnasiasten aus erster Hand was es bedeutet, in einem fremden Land neu anzufangen. So entwickelt sich Verständnis in beide Richtungen und der gesellschaftliche Zusammenhalt wird gestärkt.

281 Stimmen

Infos

Name der Einrichtung

Europagymnasium der Stadt Kerpen

Website »

Ort

Kerpen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Durchschnittl. Alter der Teilnehmer

16