Wettbewerb 2019-2020 | Kategorie: Musik/Kunst/Theater

Kurs: Interkulturelle Kommunikation durch Theaterspiel

Die Fächer "Interkulturelle Bildung" (ErzieherInnen) und "Deutsch als Zweitsprache" (InteA-Klassen) entwickeln im Laufe des Kurses ein gemeinsames Theaterstück. Grundlage sind die Gedanken, Erlebnisse und Gefühle der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die gemeinsame Erarbeitung von theaterästhetischen Mitteln bildet eine Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, die auch mit wenigen Sprachkenntnisse verständlich sind. Theater spielen gibt beiden Gruppen ein Medium, miteinander intensiv zu arbeiten, kreativ zu werden, die neue Sprache und das neue Land ein Stück weit zu eigen zu machen. Seit 2016.

Projektziele

Die ErzieherInnen werden so auf ihren Beruf vorbereitet. Durch die praktische Arbeit erlernen sie eine Vielfalt an Techniken, verlieren eventuelle Berührungsängste und lernen Wege, wie sie Anderen helfen können, solche Ängste zu vermindern oder ganz beseitigen. Dazu lernen sie handlungsorientierte theaterpädagogische Elemente kennen, die sie später in ihrem Beruf einsetzen können. Die Geflüchteten kommen in Kontakt mit gleichaltrigen Deutschen und können Ihre Deutschkenntnisse spielerisch und kommunikativ anwenden und verbessern. Aus Klassenkameraden entstehen auch immer wieder Freunde.

Aufgabe der Jugendlichen

Sehr vielfältig! Die Kursteilnehmer sind für Dramaturgie, Regie, Musik, Choreographie, Technik, Kostüm und Bühnenbild zuständig. Das heißt, sie entwickeln das komplette Stück, sie wählen das Thema, denken sich die genaue Story aus, teilen die Szenen ein, entwickeln die Figuren und zum großenteils die Texte, die tatsächlich gesprochen werden. Manchmal (wie in diesem Jahr) gehen sie von einer vorhandenen Geschichte aus (das Märchen von Aladin); in anderen Jahren haben sie das komplette Stück selbst ausgedacht (SJ '18-'19, „Die wundersame Verwandlung des Kevin Müllers“). Im Laufe des Jahres planen und realisieren sie das Schauspiel, das Bühnenbild, die Kostüme, die Musikeinspielungen, ggf. Live-Musik oder auch Tanzeinlagen (dieses Jahr sind mehrere Choreographien geplant), Szenographie, Licht und Technik. Letztes Jahr gab es mehrfache Videoeinspielungen, welche die Träume und inneren „Reisen“ gezeigt haben; dieses Jahr denken wir an Techniken des Schattenspiels, um das Märchenhafte/Fantastische zu deuten.
Bei der Realisation stehen viele Ressourcen der Berufsschule zur Verfügung: Für das Bühnenbild Holz- und Metallwerkstatt, für die Kostüme die Schneiderwerkstatt, für Effekte wie Videoeinspielung die Geräte vom Lernbereich neue Medien usw. Die Aula mit Licht- und Tonanlage sowie musikalische Möglichkeiten (Einstudierung, Instrumente, Begleitung) sind „mitgebucht“ in der Raumbelegung sowie in der Person der Kursleiterin.

Projektverlauf

2015-16, im Rahmen des Zuzugs zahlreiche Geflüchteter, schlug ich vor, mit unseren FachschülerInnen für Sozialpädagogik eine Brücke zu der neuen Schülergruppe aufzubauen. Theaterspiel ist wie kaum ein anderes Medium geeignet, Menschen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen zusammen zu bringen. Die Sprache ist der kleinste Teil einer Aufführung, man muss lange an der Körpersprache, an Schauspieltechniken arbeiten, um mit Bewegung, Tempo, Stimme etc. ausdrücken zu können. Dafür ist das Beherrschen der Landessprachen nicht zwingend notwendig, vielmehr man kann dadurch hervorragend eine neue Sprache erlernen. Der fachübergreifenden Unterricht fand große Anklang und ist inzwischen fest im Curriculum etabliert. Im Verlauf des Kurses entwirft und realisiert die Klasse das gesamte Stück, ggf. die Kurzstücke. Hierzu stehen die Ressourcen der Berufsschule, z.B. Holzwerkstatt, Medientechnik, Musikunterricht, Schneideatelier u.v.m. zur Verfügung. Gemeinsam entwickeln beide Teilnehmergruppen dabei Selbstbewusstsein, Teamgeist und den Mut, sich auszudrücken – auch vor einem vollen Saal. Für viele ist es die erste Begegnung mit Theater überhaupt. Für die bisherigen Teilnehmer hat der Kurs einiges in Gange gebracht. Alle der Absolventen der Theatergruppen haben weiterführende Bildungswege eingeschlagen, z.B. den Besuch einer Realschule, weiterführende Schulformen innerhalb der BSR oder eine Ausbildung. Manche der gewählten Ausbildungsplätze haben direkt mit Theater zu tun. Auch innerhalb der Schule brachten wir viele Fachbereiche zusammen, die sich sonst im Schulalltag fremd sind.

Unser und euer Motto: Vielfalt ist unsere Stärke!

Ca. 12 SchülerInnen der Intensiv Deutschklasse „InteA“ (Integration durch Anschluss und Abschluss) dürfen den Unterricht als Wahlfach wählen, zusammen mit bis zu 15 ErzieherInnen der Fachschule für Sozialwesen im zweiten Studienjahr, die den Kurs als Wahlpflichtfach wählen können. Die InteA-SchülerInnen sind minderjährige (unbegleitete) Geflüchtete z.B. aus Syrien, dem Irak, Guinea, Somalia, Afghanistan und dem Kongo.
Die ErzieherInnen haben oft selbst Migrationshintergrund, sind inzwischen gut integriert und bieten damit ein positives Vorbild.

20 Stimmen

Infos

Name der Einrichtung

Berufsbildendeschulen Geisenheim

Ort

Geisenheim

Bundesland

Hessen

Durchschnittl. Alter der Teilnehmer

21