Wettbewerb 2010-2011 | Kategorie: Musik/Kunst/Theater

Naßib (Schicksal) - Theaterstück

"Naßib" thematisiert das Leiden und den blutigen Konflikt in Gaza aus Sicht der Palästinenser Omar, Ahmed und Samira. Die Theatergruppe, überwiegend bestehend aus Schauspielern, deren Wurzeln im Iran, Kosovo, Afghanistan und Südafrika liegen, fragte sich, wie schlägt man sich als jugendlicher Araber durch das Leben, wovon träumen Jugendliche in der Westbank und in Gaza, wie sieht das Leben aus in den Flüchtlingslagern.

Projektverlauf

Die Idee für die theatrale Auseinandersetzung mit dem Israel-Palästina-Konflikt geht zurück auf die 2. Intifada und die entsprechende Thematisierung im Unterricht. Gleichzeitig rief das Ernst-Deutsch-Theater zur Teilnahme an einem Jugendtheater-Festival auf (2/2009 - Thema Werte und Respekt)), an dem wir uns mit unseren ersten Theaterideen und Auszügen aus Naßib beteiligten. In der folgenden Zeit recherchierten wir neues Material, feilten an Texten und szenischen Vorstellungen. So beeinflusste unsere Arbeit das Theaterstück "Paradise Now" von K. Kunze, der Roman "Echtzeit" von P.M.Kass, das neu erschienene Buch von Dr. M. Johannsen "Der Nahost-Konflikt" (2009) und der DOkumentarfilm "Für den Frieden lernen", Kindergespräche aus der ARTE-Doku "Zu Besuch in der 1. Jüdisch-Arabischen Schule", Arte 2008. Durch das Feature von Kai Adler "Das Trauma der Besatzer" (DLR Kultur 2007) entwickelten wir einen ganz neuen Einstieg für unser Theaterstück. Wir setzten uns jetzt auf theatrale Art und Weise mit der Frage Adlers auseinander, wie junge und kritische israelische Soldaten ihren militärischen Alltag in der Armee jenseits des Sperrwalls erleben und durch den Militärapparat zu dem werden, was man auch als "Puppet on a String" bezeichnen kann. Bewusst arbeiten wir in unserem Stück mit Doppelungen und chorischen Elementen, die Schauspieler wechseln häufig die Rollen und sind sowohl als israelische Soldaten aber auch als palästinensische Jugendliche in Aktion. Um deutlich zu machen, dass es hier nicht um moralisches Theater geht, in dem die "Guten" die Oberhand behalten, wird die Frage nach einer Lebensperspektive für die palästinensischen Jugendlichen auch nicht gelöst.
Die Premiere am 3.6.2010 in unserem Theatersaal vor mehr als 300 jugendlichen Schülern und Lehrern wurde überwältigend aufgenommen. Schon vor unserer Aufführung bekamen wir von der Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater das Angebot, unser Stück auf dem universitären Theaterfestival in Casablanca (10.-15.7. - Theater und Globalisierung) zu zeigen. Auch in Casablanca war der Erfolg überwältigend. Spontane Einladungen zu Theaterfestivals nach Marrakesch (April 2011) und Tunesien (März 2011) wurden ausgesprochen, wir wurden mit dem Globalisierungs-Theaterpreis und dem Preis für den besten männlichen jugendlichen Schauspieler ausgezeichnet. Uns allen ist klar: Es geht weiter, dieses Stück provoziert Diskussionen zum Thema Krieg und Frieden und zwar nicht nur zum Israel-Palästina-Konflikt!

Wie hilft das Projekt, dass alle die gleichen Chancen an der Schule haben?

Fast die Hälfte unserer Schüler haben ihre biografischen Wurzeln in Ländern, in denen Armut, Krieg und das Nichtvorhandensein von Menschenrechten zum Alltag gehören. Theater verbindet, fördert das Selbstbewusstsein und unterstützt unsere häufig sozial und materiell benachteiligten Schüler.

Was kann man von dem Projekt lernen?

Es lohnt sich, ein konfliktreiches Thema wie den Israel-Palästina-Konflikt mit eigenen Vorstellungen auf die Bühne zu bringen. Eigenes Engagement wird honoriert, es provoziert und überwindet politische und sprachliche Grenzen (in Casablanca haben wir Teile auch in Englisch und Arabisch gespielt!)

Infos

Name der Einrichtung

Berufliche Schule H20 Bramfelder See

Website »

Ort

Hamburg

Bundesland

Hamburg

Durchschnittl. Alter der Teilnehmer

18

Susan Sideropoulos besucht Theaterprojekt