Wettbewerb 2019-2020 | Kategorie: Jugendeinrichtung

Die Wagon-Paten - gemeinsam im Ort aktiv

Einheimische Jugendliche, die in Buer groß geworden sind, übernehmen eine 'Patenschaft' für neu zugezogene Jugendliche mit ausländischen Wurzeln. Diese lernen den Ort und die Umgebung kennen, sie besuchen gemeinsam Vereine und Einrichtungen, verbringen Freizeit miteinander, unterstützen sich in der Schule und bei vielfältigen Fragen und Problemen. Sie lernen gegenseitig Spiele und Gewohnheiten voneinander kennen und probieren Kochrezepte aus verschiedenen Ländern aus.

Projektziele

Wir möchten erreichen, dass neu zugezogene Kinder und Jugendliche schnell Kontakte finden, Menschen, denen sie vertrauen können und die sie in vielen Bereichen unterstützen und ihnen zur Seite stehen. Gemeinsame Aktivitäten bringen Spaß, erleichtern das Kennenlernen und führen dazu, dass die 'Neuen' den Ort und mögliche Freizeit-Aktivitäten schnell kennen lernen und auch, dass sie sich in der Schule und im Alltag schnell einleben können und Schwierigkeiten gemeinsam überwinden.

Aufgabe der Jugendlichen

Das Projekt "Wagon-Paten" startete im August 2016 im Zuge des Zuzugs von Familien mit Fluchterfahrung als Projekt „Flüchtlingslotsen“. In Buer wurden Familien aus Syrien und dem Irak untergebracht. Ziel der Überlegungen zur Unterstützung der Kinder dieser Familien war, diese möglichst schnell in Kontakt mit "einheimischen" Kindern und Jugendlichen zu bringen und sie mitzunehmen in die gesellschaftlichen Strukturen und integrierende Freizeitangebote. Wir wollten den geflüchteten Kindern Gleichaltrige zur Seite stellen, die sie positiv begleiten und unterstützen. Dieses dient einerseits der Integration der Geflüchteten, andererseits werden die interkulturellen Kompetenzen aller Beteiligten gefördert. Jeder Lotse ist für ein Flüchtlingskind zuständig und steht diesem mit Rat und Tat zur Seite. Um eine Verbindlichkeit und Kontinuität zu gewährleisten sollen alle Beteiligten diese Patenschaften für ein Schuljahr verbindlich zusagen. Die Lindenschule Buer (Oberschule) erklärte sich bereit, dieses zusätzliche soziale Engagement positiv auf den Zeugnissen zu vermerken. Nach einer Anwerbeaktion in der Lindenschule und am Jugendwagon meldeten sich zahlreiche engagierte Kinder und Jugendliche als 'Flüchtlingslotsen', teilweise selbst mit Migrationshintergrund - eine vielfältige Mischung engagierter junger Menschen. Die Treffen sind an jedem Freitag von 14 bis 16 Uhr am Jugendwagon. Die relativ passgenaue Zuordnung von Paten gelang relativ gut und schnell, da sich einige Kinder schon aus der Schule kannten. 
Gemeinsame Ideen für das Projekt - eine Mischung aus kennenlernen, erzählen, zuhören, den Ort erkunden und aktiver Freizeitgestaltung - entwickelten die Beteiligten selbst. Die Gruppe erkundete den Ort, machte eine Dorfralley, besuchte das Altenheim, die Kindergärten, die Feuerwehr, das Heimathaus und bekam eine Führung in der Martini-Kirche. Die Patenschaften setzten sich automatisch in der Schule fort, gemeinsam wurden Angebote im Sportverein ausprobiert oder sich auch privat verabredet. 
Aufgrund des Umzugs eines Großteils der am Projekt „Flüchtlingslotsen“ beteiligten Kinder aus den Flüchtlingsfamilien änderte sich ab Sommer das Projekt insofern, dass einige Beteiligte die Idee hatten weitere Schülerinnen und Schülern zu unterstützen, die aus anderen Ländern aus den verschiedensten Gründen nach Buer gekommen sind und sich hier neu orientieren müssen. Das Projekt "Flüchtlingslotsen" wurden so zu den "Wagon-Paten". Auch hier findet quasi eine "eins-zu-eins-Zuordnung" statt. Die Gruppe spielt sehr gerne Karten -und Gesellschaftsspiele (Uno, Mau Mau und die Werwölfe von Düsterwald). Sie kochen und backen nach internationalen Rezepten, die jede und jeder von Zuhause mitbringt -  und natürlich essen sie dann auch gerne zusammen. Dabei entstehen automatisch nette Gespräche und es wird "nebenbei" Deutsch gelernt. Sie arbeiten stetig weiter daran sich gegenseitig besser kennenzulernen, z. B. in spielerischer Form wie bei dem Spiel “2 Wahrheiten und 1 Lüge“ oder in Form von gegenseitigen Interviews und dem Anfertigen von Steckbriefen. Wenn das Wetter passt, sind sie im Ort und in der Umgebung unterwegs und besuchen Einrichtungen und Vereine. Ziel ist es weiterhin, den "neuen" Jugendlichen mit ausländischer Herkunft jemanden zur Seite zu stellen, mit dem sie über sowohl Privates als auch Schulisches interagieren können. Die Atmosphäre in der Gruppe ist von Anfang an ausgesprochen positiv. Sprachbarrieren gibt es ab und zu, diese lassen sich durch Umschreibungen oder durch den Google-Übersetzer in der heutigen Smartphone-Zeit oft einfach lösen.

Projektverlauf

Die Idee der Patenschaften entstand im Arbeitskreis "Buer integrativ", in dem viele Institutionen und Vereine unter Leitung des Teams des Jugendwagons (dem Verein 'Netzwerk Jugendhaus Buer e.V.') gemeinsame übergreifende Aktivitäten initiieren und organisieren - vor allem auch mit den vielen türkisch-stämmigen ehemaligen Gastarbeiterfamilien. Daraus entstand im Zuge der Zuwanderung von Menschen mit Fluchterfahrung ein 'Helferkreis', der diese Familien zu Treffen und gemeinsamen Aktionen einlädt. Die Kinder und Jugendlichen aus diesem Umfeld hatten dann das Interesse eigene Aktionen für die jungen Leute zu initiieren. Diesen Gedanken griff das Team des Jugendwagons auf, bezog die Schule mit ein und organisierte das erste 'Paten'-Treffen. Die Resonanz war so groß, dass nicht alle helfen-wollenden Kinder mit einbezogen werden konnten. Der Zuzug von weiteren Kindern und Jugendlichen aus EU-Ländern führte bei der Gruppe zu der Idee diese aktiv mit einzubeziehen. Die Ideen für die gemeinsamen Aktivitäten kommen fast ausschließlich von den Jugendlichen selbst. Zunächst waren es verschiedene Erkundungen im Ort (Wo ist welches Geschäft? Wo kann ich was erledigen? Welche besonderen Einrichtungen oder sehenswerten Dinge gibt es hier?) , dem schlossen sich zahlreiche Besuchs-Termine im Ort an: die Feuerwehr, das Altenheim, die zentrale Martini-Kirche, das Heimathaus, der jüdische Friedhof, der Klima-Aussicht-Turm, der Sportverein etc. Bei schlechterem Wetter wird im Jugendwagon gespielt (Spiele aus verschiedenen Kulturen) und auch gerne gekocht - internationale Rezepte. 

Unser und euer Motto: Vielfalt ist unsere Stärke!

Vielfalt ist ein Bestandteil der Bueraner Dorf-Gemeinschaft, der durch den Arbeitskreis "Buer integrativ" und verschiedene dort angesiedelte Projekte deutlich thematisiert, erfahrbar und sichtbar gemacht wird: der Zuzug nach dem Krieg, die Pflege des jüdischen Friedhofs, der Zuzug von Gastarbeitern aus unterschiedlichen Nationen, die Zuwanderung aus Krisengebieten und durch die EU-Arbeitnehmer*innen ist ein Teil unserer örtlichen Gemeinschaft. Uns liegt es am Herzen, dass die jungen Menschen gemeinsam unseren Ort als vielfältigen Lebensort erkennen, dort mitwirken und ihn mit gestalten.

32 Stimmen

Infos

Name der Einrichtung

Jugendwagon Buer

Website »

Ort

Melle

Bundesland

Niedersachsen

Durchschnittl. Alter der Teilnehmer

14