Wettbewerb 2019-2020 | Kategorie: Jugendeinrichtung

Nachgekommen - Frauen in der Gastarbeitergeschichte / ein Buch-Projekt

In dem Projekt befragten die beteiligten Mädchen Frauen, die im Zuge der Gastarbeiterbewegung ab den 60er-Jahren nach Melle/nach Buer kamen sowie Frauen aus dem Umfeld in Buer, die diese Zuwanderung konkret erlebt und begleitet haben. Aus diesen vielfältigen Informationen erarbeiteten sie ein umfangreiches und kreativ gestaltetes Buch mit 220 Seiten. In der parallel dazu erarbeiteten Wander-Ausstellung finden sich zwei großformatige Präsentationswände mit sehr persönlichen Statements und mit Kernthemen - wie auch 16 großformatige Roll-Ups mit den Kurzporträts der im Buch vorgestellten Frauen.

Projektziele

Die jungen Frauen beschäftigen sich wertschätzend mit der fast 50-jährigen Geschichte der Frauen aus dem Gastarbeiter-Umfeld in Buer und bringen diese einer breiten Öffentlichkeit nahe. Damit sollen Kenntnis und Verständnis für die jeweiligen Situationen und Erlebnisse der Bevölkerungsgruppen, der Geschichte der zugezogenen und der einheimischen Bevölkerung vermittelt sowie die Ausbildung von Empathie und Verständnis erreicht werden. Die Geschichte dieser Frauen ist eine gemeinsame Geschichte der gesamten Bevölkerung und hat Berührungspunkte in alle relevanten gesellschaftlichen Bereiche.

Aufgabe der Jugendlichen

Die Schülerinnen führten Interviews und Gespräche mit verschiedenen Frauen, die unmittelbar oder mittelbar die Zuwanderung der ersten Gastarbeiter und die Lebenssituation der Frauen in diesem Kontext erlebt und begleitet haben. Sie beschäftigten sich mit den persönlichen Geschichten der Frauen: ihrer Rolle in den Familien, ihrem Leben zwischen zwei Kulturen und Gesellschaften, mit ihren persönlichen Möglichkeiten, Chancen und Grenzen des Lebens in Buer, in Melle und Umgebung. Die Arbeitsgruppe hielt ihre Geschichten in Bildern und Texten fest und befragte Zeitzeugen: Nachbarn, Lehrerinnen, Erzieherinnen, Praktikanten, Ladenbesitzer, die Töchter und Enkelinnen. Fotos, Erinnerungen, Dokumente und Hintergrundinformationen aus der damaligen Zeit wurden zusammengetragen und gesammelt, um ein möglichst umfassendes Bild dieser gemeinsamen weiblichen Orts-Geschichte zu erarbeiten.
Die Schülerinnen gestalteten mit Hilfe eines professionellen Computer-Programms Vorlagen für ein umfangreiches Buch sowie für eine Wander-Ausstellung. Dabei führte ein Mediengestalter die Schülerinnen in Wochenend-Seminaren in die Grundlagen von Layout und Gestaltung sowie die Handhabung und die technischen Möglichkeiten des Gestaltungs-Programms ein. Gemeinsam entwickelten sie Ideen für ein Layout der Biografien und der erarbeiteten Themenschwerpunkte, das die inhaltlichen Aussagen unterstreicht. Elemente für eine begleitende Ausstellung wurden diskutiert und festgelegt.

Projektverlauf

In dem Projekt ging es zunächst darum Kontakte aufzubauen und betroffene Frauen zu identifizieren, die sich an dem Projekt beteiligen wollten. Diese wurden zu Gesprächen eingeladen oder Zuhause besucht. Die Jugendlichen erhielten die Gelegenheit direkt mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen und die Gespräche zu gestalten. Ein Interviewleitfaden, der ihnen Orientierung und Sicherheit geben konnte, war von der Gruppe im Vorfeld erarbeitet worden. 
Vorrangig ergaben sich Kontakte zu Frauen, die ihre Wurzeln in der Türkei haben, aber auch zu Frauen, die aus Italien oder Ungarn stammen. In den Gesprächen wurden von den Frauen viele sehr persönliche Themen und Lebenserfahrungen angesprochen – oft untermalt durch den Blick in die familiären Fotoalben. Es sprach Alt zu Jung, Großmutter zu Enkelin, Migrantin zu Nicht-Migrantin, Mutter zu Tochter, und umgekehrt.
Die Fähigkeit Gespräche zu führen, kulturelle Hintergründe zu verstehen und Zusammenhänge zu erkennen, mit Empathie und Verständnis zuzuhören, zu fragen und zu adaptieren, war für die beteiligten Schülerinnen eine große Herausforderung. Die jungen Frauen lernten sich in die Lebensbezüge von Menschen unterschiedlicher Herkunft hineinzudenken.
Die nächste Herausforderung für die Arbeitsgruppe bestand in der Strukturierung und Verschriftlichung ihrer Notizen aus den Gesprächen. Es galt auch zu erkennen, dass die Umsetzung in Geschriebenes für eine öffentliche Leserschaft ein hohes Maß an Verantwortung mit sich bringt, und auch zu entscheiden ist, was für Außenstehende im Gesamtkontext relevant sein kann.

Unser und euer Motto: Vielfalt ist unsere Stärke!

Wir wachsen in einer vielfältigen Gemeinschaft auf - mit jungen Leuten, denen wir täglich begegnen, die aus ganz verschiedenen Ländern und aus ganz verschiedenen Gründen nach Buer gekommen sind. Die Auseinandersetzung mit den persönlichen Geschichten der Frauen soll verdeutlichen, dass die Geschichte dieser Frauen eine gemeinsame Geschichte ist, ein Stück gemeinsamer Heimatgeschichte der gesamten Bevölkerung. Sie hat Berührungspunkte in alle relevanten gesellschaftlichen Bereiche. Sie ist nach wie vor aktuell. Es lohnt sich zuzuhören und die Chance zu nutzen,verstehen zu lernen.  

21 Stimmen

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Infos

Name der Einrichtung

Netzwerk Jugendhaus Buer e.V.

Website »

Ort

Melle

Bundesland

Niedersachsen

Durchschnittl. Alter der Teilnehmer

16