Wettbewerb 2017-2018 | Kategorie: Geschichte/Politik

Sternmarsch für Flüchtlinge

Die 900 Schüler und Lehrer des Graf-Eberhard-Gymnasiums liefen an einem Schultag aus allen Heimatorten der Schüler an die Schule, um auf die Situation der Flüchtlinge 2015 aufmerksam zu machen. Die gelaufenen Kilometer wurden durch private Spender und Firmen gesponsert. Insgesamt kamen mehr als 10 000 Euro zusammen. Diese Summe legte den Grundstock für über zwei Jahre hinweg durchgeführte Aktionen von Schülern, Lehrern und Geflüchteten (gemeinsame Ausflüge, Aktionstage an der Schule etc.). Zudem konnten wir die Flüchtlingskreise in unseren Heimatgemeinden unbürokratisch unterstützen.

Projektziele

Zu Beginn ging es vor allem um die Sensibilisierung der Schüler für die Situation der Flüchtlinge. Im Verlauf des Projektes rückte das Ziel Schüler, Lehrer und Flüchtlinge im Rahmen unterschiedlichster Projekte zusammenzubringen in den Vordergrund. Natürlich wollte man auch die materielle Situation der Flüchtlinge verbessern.

Aufgabe der Jugendlichen

Sternmarsch des Graf-Eberhard-Gymnasiums am 13. November 2015:

IDEE:
Der aktuelle Zustrom von Menschen auf der Flucht aus Krisengebieten nach Deutschland bringt ohne Zweifel eine Reihe großer Herausforderungen mit sich. Das Graf-Eberhard-Gymnasium, als wichtige gesellschaftliche Institution im Ermstal, ist bisher zwar nicht direkt betroffen und dennoch wollen wir uns als Gemeinschaft mit dem Thema Flucht intensiv auseinandersetzen.
Ein erster Anstoß, wie man das Thema ins Sichtfeld der Schulgemeinschaft rücken könnte, kam aus der Fachschaft Sport: „Ein Spendenlauf zur Unterstützung der in Deutschland angekommenen Flüchtlinge könnte durchgeführt werden“. Schon nach kurzer Zeit wurde die Idee von den unterschiedlichsten Gremien des Gymnasiums aufgegriffen und von Seiten der Schülerschaft engagierte sich schnell die SMV.
Schon nach den ersten Beratungen zwischen SMV und Fachschaft Sport wurde klar, dass man eine größere und vor allem langfristig wirkende Aktion durchführen will. Das Format Spendenlauf schien zu verbraucht, um die Bedeutung der Thematik abzubilden und zu längerfristigem Engagement aufzurufen.
So kam die Idee einer großen Sternwanderung auf. Alle Schülerinnen und Schüler des GEG könnten an einem Tag gemeinsam von ihren Heimatorten in die Schule laufen. Die Grundidee eines Spendenlaufs soll beibehalten und die gelaufenen Kilometer von unterschiedlichsten Sponsoren vergütet werden.
Diese Aktion hat zwei Stoßrichtungen.
Zum einen soll der Sternmarsch eine Initialveranstaltung darstellen für die weitere und tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht/Heimatverlust. Das Graf-Eberhard-Gymnasium hat als öffentliche Schule weder die Aufgabe, noch das Ziel der Schülerschaft eine bestimmte politische Meinung überzustülpen. Die Fragen, wie man mit großen Flüchtlingsströmen umgehen kann, inwieweit unsere Asylgesetze der Lage Rechnung tragen, oder auch wie viele Menschen unser Land in welchem Zeitraum aufnehmen kann, sollen und können nicht von der Schule beantwortet werden.
Aber der gemeinsame Sternmarsch könnte der Anfang einer produktiven Diskussion über das Thema sein. Schon am eigentlichen Tag des Sternmarsches bestünde, im Gegensatz zum normalen Schulalltag, die Möglichkeit, über die Grenzen der Klassenstufen hinweg, dieses wichtige Thema anzusprechen.
Ein Großteil der Flüchtlinge hat seine Heimat zu Fuß verlassen und ist tausende Kilometer gelaufen, um die sicheren Staaten Europas zu erreichen und so wollen auch wir uns zu Fuß aufmachen, um uns dem Thema Flucht anzunähern. Keinesfalls soll hier der Eindruck erweckt werden, wir könnten nach einer „netten Wanderung“ durch das Ermstal die Widrigkeiten nachvollziehen, die viele Flüchtende durchgemacht haben. Die Wanderung soll auch nicht als „Opfer“ der Schüler und Lehrer missverstanden werden, denn das ist sie nicht. Der Sternmarsch soll ein Zeichen sein, ein Symbol, dass sich unsere Schulgemeinschaft aufmachen will; sich einem wichtigen Thema, langfristig auch den Menschen, annähern will. Das geht nur in der Gemeinschaft, nur in der freien Diskussion und da scheint das traditionsreiche Format „Sternmarsch“ überaus passend.
Die Grundidee des Spendenlaufes ist deswegen nicht vergessen und wenn diese Schulaktion Unterstützung bei Eltern, Verwandten, Freunden und nicht zuletzt bei der lokalen Wirtschaft findet, so bilden die erlaufenen Spenden den Grundstock für weiteres Engagement der Schule. In der Folge könnten direkte Kontakte zu den Flüchtlingen im Kreis hergestellt werden. Gegenseitiges Kennenlernen bei gemeinsamen Aktivitäten könnte folgen. Natürlich könnte mit den Spendengeldern auch konkrete Hilfe vor Ort, oder in der Heimat vieler Flüchtlinge geleistet werden. Ganz bewusst soll die konkrete Verteilung der Spenden noch offen bleiben und erst im Laufe eines Prozesses erörtert werden. Womöglich soll auch Aktionen oder Ideen aus der Schule heraus unterstützt werden.

ABLAUF:
Der Aktionstag wurde am 13. November 2015 gegen 08:00 Uhr von insgesamt 23 einzelnen Laufgruppen eröffnet. Von den verschiedenen Startpunkten machten sich die Gruppen auf Richtung GEG. Die Gruppen waren unterschiedlich groß, bestehen aus Schülerinnen und Schülern unterschiedlichster Klassenstufen und werden von Lehrern begleitet. Auf dem Weg vereinten sich immer mehr Gruppen bzw. holten die nächste ab.
Die einzelnen Startzeiten waren so terminiert, dass alle Gruppen gegen 11:00 Uhr am GEG ankommen sollen.
Der eigentliche Aktionstag endete gegen 11:00 Uhr an der Schule und wurde mit der halbjährlichen Vollversammlung der Schule beschlossen. Dort berichteten Frau Schmid-Grammel vom Uracher Asyl-Café und einer unserer Schüler über ihre Arbeit im Asyl-Cafe. Damit endet der Aktionstag.

Insgesamt wurden mehr als 10 000 Euro Spendengeld erlaufen. Diese Summe bildete nun den Grundstock der weiteren Arbeit. Schüler und Lehrer engagierten sich die kommenden zwei Jahre in einer Steuergruppe. Man unterstützte die Flüchtlingshilfen in verschiedenen Gemeinden. So wurde in der Gruppe über verschiedene Anschaffungen (Spielzeug, Lernmaterial etc.) diskutiert und abgestimmt. Danach konnte man schnell und unbürokratisch helfen. Es wurde schnell klar, dass es nicht bei finanzieller Hilfe bleiben sollte. Und so konzentrierten sich die engagierten Schüler und Lehrer auf konkrete Freizeitangebote. Zwei Aktionsnachmittage an der Schule wurden durchgeführt. Flüchtlinge kamen mittags an die Schule, wo Schüler und Lehrer eine ganze Reihe von Angeboten vorbereitet hatten (Sport, Schach, Spiele, gemeinsames Musizieren, malen oder kochen...). Ziel war es, gemeinsame Aktivitäten durchzuführen, um ein gegenseitiges Kennenlernen zu fördern. Finanziert wurden diese großen Aktionstage (auch hier waren immer mind. 100 Personen beteiligt) aus der Spendensumme des Sternlaufes. Darüber hinaus gab es immer wieder kleinere Aktionen oder Ausflüge (z. B. zu einem Spiel der Fußball-Jugendnationalmannschaft nach Reutlingen), die GEGler und Flüchtlinge gemeinsam durchführten. Das Projekt selber und die daraus folgenden Aktivitäten wurden bis ins letzte Schuljahr koordiniert weitergeführt.

Projektverlauf

Unter dem Eindruck der großen Flüchtlingsströme des Jahres 2015 entstand an unserer Schule der Wunsch auf diese Situation zu reagieren. Schüler und Lehrer taten sich zusammen und planten eine Aktion, um auf die Situation der Geflüchteten aufmerksam zu machen.
So wurde die Idee eines Sternmarsches aller Schüler geboren. Am 15. Nov. 2015 liefen fast 900 Schüler und Lehrer aus ihren Heimatorten Richtung Schule. Die Gruppen begegneten sich und immer größere Ströme zogen durch das Ermstal. Da unsere Schule im ländlichen Raum liegt, kamen viele Kilometer zusammen, die von privaten Spendern und verschiedenen Unternehmen finanziell gesponsert wurden. So kamen über 10 000 Euro zusammen.

Dieses Geld legte den Grundstock für die weitere Arbeit, denn der Sternmarsch selbst war nur der Auftakt für ein vielfältiges zweijähriges Engagement der GEGler. Gruppen aus Schülern und Lehrern übernahmen nun die Federführung. Man nutzte die vorhandenen finanziellen Mittel, um die Flüchtlingskreise der Gemeinden schnell und unbürokratisch zu unterstützen. Es erwies sich aber bald, dass Begegnungen wichtiger sind als Geld. Und so organisierten unsere Planungsgruppen zwei große Aktionstage an der Schule. Ein vielfältiges Freizeit-Programm wurde organisiert und Flüchtlinge, Schüler und Lehrer erhielten so die Möglichkeit einander kennenzulernen. Abgerundet wurde unser Projekt von vielen kleineren Ausflügen (Fußballspiele) und Projekten (Sport, Musik), die Flüchtlinge gemeinsam mit Schülern durchführten. Alles finanziert aus dem Spendengeld des Sternmarsches.

Unser und euer Motto: Vielfalt ist unsere Stärke!

Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Hintergründe ist nicht immer einfach. Im Jahre 2015 wurde dieser Aspekt besonders greifbar, weil tausende Flüchtlinge in Deutschland ankamen und in die örtlichen Strukturen eingebunden werden mussten. Schulen sind sicher ein Ort, wo Menschen zuerst aufeinandertreffen. Mit unserer Idee wollten wir Begegnungen fördern und Interesse füreinander wecken. Die gemeinsamen Aktionen haben viel dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen und echte Beziehungen zwischen Fremden und Alteingesessenen herzustellen.

Infos

Name der Einrichtung

Graf-Eberhard-Gymnasium Bad Urach

Ort

Bad Urach

Bundesland

Baden-Württemberg

Durchschnittl. Alter der Teilnehmer

14