Halle (Saale), 09. März 2021

Gerald Asamoah lobt Jugendliche aus Halle für Einsatz gegen Antisemitismus und Rassismus

Der Ex-Fußballprofi tauschte sich digital mit Schüler:innen der Ulrich-Hutten-Gesamtschule in Halle aus. Mit ihrem Projekt „Spurensuche“ sind die Jugendlichen den Schicksalen jüdischer Familien aus ihrer Heimatstadt auf den Grund gegangen. Ihre Ergebnisse teilen sie mit anderen jungen Menschen. Für ihr Engagement erhielten sie eine Auszeichnung beim Jugendintegrationswettbewerb „Alle Kids sind VIPs“

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Für ihr Projekt „Spurensuche“ zum Schicksal jüdischer Familien sind Schüler:innen der Ulrich-Hutten-Gesamtschule in Halle (Saale) mit einem besonderen Erlebnis belohnt worden: Per Videochat trafen sie sich mit dem deutschen Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah. Den Besuch des früheren Fußballstars hatten sie im Rahmen des Jugendintegrationswettbewerbs „Alle Kids sind VIPs“ der Bertelsmann Stiftung 2020 gewonnen. Im Verlauf des digitalen Zusammentreffens zeigte sich Gerald Asamoah von der Initiative der Jugendlichen tief beeindruckt. Im persönlichen Austausch berichtete er von eigenen Diskriminierungserfahrungen und stellte Fragen zur Entstehungsgeschichte des Projekts. Darüber hinaus gab es für die „Spurensucher“ ausreichend Gelegenheit, ihrem prominenten Gast allerlei Fragen zum Leben als Fußballprofi und Nationalspieler zu stellen.

Für das Projekt „Spurensuche – Tagebuch der Gefühle“ hatten die jungen Menschen recherchiert, welche jüdischen Familien unter der Herrschaft der Nazis aus ihrer Heimatstadt Halle in Konzentrationslager deportiert wurden. Dabei stießen sie auf Spuren, die ins Warschauer Ghetto, nach Buchenwald und Auschwitz führten. Das im heutigen Polen gelegene Vernichtungslager besuchten die Schüler:innen zum Abschluss ihrer Recherche, und hielten ihre Eindrücke und Erkenntnisse fest. Daraus entstanden ein persönliches Tagebuch sowie sieben Kurzfilme. Das Buch und die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentieren die Jugendlichen in Schulen und Vereinen anderen jungen Menschen. Damit leisten sie vor Ort einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und präventiven Arbeit gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung. Wie wichtig solche Initiativen sind, zeigte sich im Oktober 2019 in Halle, als ein Rechtsextremer die Synagoge angriff sowie zwei Menschen tötete.

Die Schüler:innen ermutigen andere junge Menschen

„Das Besondere an unserem Projekt ist die Eigeninitiative und die Idee, als Multiplikator:innen aufzutreten. Denn wenn die Schüler:innen an andere Schulen oder in Vereine gehen, ermutigen sie auch andere junge Menschen, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Das ist viel effektiver, als wenn immer nur Lehrer:innen das Thema besprechen“, beschreibt Projektleiter Andreas Dose das Erfolgsgeheimnis von „Spurensuche – Tagebuch der Gefühle“. Im Anschluss an die Projektpräsentation zollte auch Gerald Asamoah den Schüler:innen großes Lob: „Den Preis haben die Jugendlichen mehr als verdient. Herausragend finde ich die Idee, konkreten Schicksalen und Familiengeschichten in ihrer Heimatstadt nachzugehen. Wie aktuell das Thema und wie wichtig das Engagement von jungen Menschen ist, zeigen die rassistischen Verbrechen der letzten Zeit“, erklärte der Ex-Fußballer, der sich seit Langem gegen Rassismus in Deutschland engagiert.

Dreizehn Jahre jugendliches Engagement für Integration und Vielfalt

Die Bertelsmann Stiftung zeichnet schon seit 2008 mit dem Jugendintegrationswettbewerb „Alle Kids sind VIPs“ Projekte aus, in denen sich junge Menschen beispielhaft für ein faires Miteinander in Vielfalt engagieren. In der aktuellen, siebten Runde von „Alle Kids sind VIPs“ wurden insgesamt 211 Projekte eingereicht. Was den Wettbewerb besonders macht, sind die Besuche prominenter Botschafter mit ausländischen Wurzeln, die mit ihrer Biografie für gelungene Integration stehen und sich ehrenamtlich engagieren. Neben Sängerin Maite Kelly sind das Moderatorin Rebecca Mir, Comedian Bülent Ceylan, die Band Culcha Candela, TV-Moderator und Sänger Daniel Aminati, die Urban Dance Crew FanatiX, Moderatorin Shary Reeves sowie Fußballlegende Gerald Asamoah.

Gerald Asamoah wurde 1978 in Ghana geboren und kam mit zwölf Jahren nach Deutschland, wo er zunächst in Hannover eine Heimat fand und seine Laufbahn als Profifußballer begann. Als bei ihm im Alter von 20 Jahren ein schwerwiegender angeborener Herzfehler diagnostiziert wurde, war seine Zukunft ungewiss. Doch Gerald nahm die Herausforderung an und eroberte als erster dunkelhäutiger deutscher Nationalspieler das Spielfeld und die Herzen der Fans. Im November 2015 beendete der sympathische Sportler, der lange für Schalke 04 spielte, seine Profikarriere. Neben seinen sportlichen Leistungen ist der Vater dreier Kinder schon lange sozial engagiert, unter anderem im Kampf für Vielfalt und gegen Rassismus im Rahmen von „Alle Kids sind VIPs“ oder als Pate der Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Seine eigene Stiftung ist Gerald Asamoah aufgrund seiner persönlichen Geschichte eine echte „Herzensangelegenheit“: Seit 2007 unterstützt die Gerald Asamoah Stiftung Projekte mit dem Ziel, herzkranken Kindern medizinisch zu helfen und ihnen den Weg zurück in ein normales Leben zu ermöglichen

Ansprechpartnerinnen

Bojana Pajić-Rickerts

Project Manager
Programm Integration und Bildung, Bertelsmann Stiftung

Tel. +49 30 275788-134
info(at)allekidssindvips.de

Elisabeth Pauly

Project Assistant
Programm Integration und Bildung, Bertelsmann Stiftung

Tel. +49 5241 8181513
info(at)allekidssindvips.de